Geschichte - Buetthof

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Bütthof
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Geschichte

Der Bütthof


Geschichte des Bütthofs


Die Anfänge

Im Jahre 1836 beantragte der Landwirt Josef Kunz, auf seinem Hof am Geroldsauer Wasserfall eine Schankwirtschaft
betreiben zu dürfen. Im Original hieß es damals:

"...beantrage ich die Genehmigung, eine Schankwirtschaft zu betreiben, da nicht nur an den Wasserfall den
Sommer ueber viele Badgaeste und Reisende kommen, sondern auch zu meiner Behaussung, welche Wein,
Bier, Kirschenwasser, Brod, Milch, Butter, Kaes, Honig etc. verlangen, das mann denen selben ohnehin
verabreichen muss."

Dieses Gesuch wurde jedoch abgelehnt, da eine Wirtschaft im Wald nicht beantragt werden könne. Herr Kunz verkaufte
weiterhin seine Erzeugnisse an die Gäste, der offizielle Ausschank wurde aber erst im Jahre 1872 genehmigt.
1899 verpachtete die Stadt den Bütthof an Herrmann Kah, der im gleichen Jahr auch die Gaststätte "Zum Geroldsauer
Wasserfall" übernahm. Offensichtlich betrieb er nur dort eine Wirtschaft, während er den heutigen Bütthof nur als
Wohnung und Stallgebäude nutzte. Nach Herrman's Tod lebte seine Witwe Mina, später seine Tochter Erna Striebel im
Bütthof.
1940 war das Gebäude so baufällig, dass von seiten der Stadt ein Abriss erwägt wurde, der jedoch glücklicherweise nicht
erfolgte. Die Wasserfallgaststätte wurde kurz nach dem Krieg von Besatzungstruppen zerstört.
Dadurch wurde 1952 im Bütthof eine Gaststätte eröffnet, die bis zum Jare 1976 durch Erna Striebel betrieben wurde.


Wie es weiterging
(Bericht in den BNN vom 10. Juni 1989)

Stadtführer aus dem frühen 19. Jahrhundert erwähnen das Naturschauspiel stets. Auch die Badanstalten-Kommission war
stets daran interessiert, den Wasserfall zu verschönern, obwohl das nicht in ihren Aufgabenbereich gehörte. Im Jahre
1845 wurden zum Beispiel die diverse Geläder angeschafft, der Weg entlang des Baches gerichtet und die Brücke
unterhalb des Wasserfalls installiert. Im Jahre 1874 kam dann der Lichtentaler Grünbaumwirt Naber mit der Idee, den
Besuchern des Wasserfalls Erfrischung anzubieten. Ohne große Formalitäten gab man ihm die Genehmigung, eine kleine
Hütte zu errichten. An schönen Tagen bewirtete Naber nun die Spaziergänger. Schon zu Angang der 1880er Jahre kam
es Klagen über diesen "Imbisstand". Die verwöhnten Baden-Badener Kurgäste waren mit der Schutzhütte nicht zufrieden.
Da gab es keine Heizung, man saß auf der rohen Erde in einem luftigen 11 mal 4 Meter großen Blockhaus mit einem
Schindeldach, durch das es öfters tropfte. Einziger Luxux war ein gemauerter Keller auf der linken Seite des Baches, in
dem der Wirt seine Waren kühlte.
Im Jahre 1885 kaufte Josef Herr, Auerhahnwirt in Geroldsau, die Hütte vom vorherigen Wirt. Nun verlangte das
Bezirksamt eine Konzession und damit kam das Projekt endgültig ins Rollen. Wahrscheinlich wäre es viel schneller
realisiert worden, wenn nicht der städtische Oberförster etwas gegen eine Restauration am Wasserfall gehabt hätte. Er
befürchtete eine Beeinträchtigung der Natur und wollte dem Projekt nur zustimmen, wenn kein einziger Baum gefällt
würde. Die Bauspezialisten der Stadtverwaltung begannen zu planen und legten am 9.3.1888 einen Entwurf für ein
Restaurantgebäude vor. Es war eine zierliche Hütte, direkt neben dem Bach und sie hatte den großen Vorteil, dass
tatsächlich keine Bäume gefällt werden mußten. Am 23. Juni 1888 wurde das Projekt im Bürgerausschuß beraten.
Obwohl es nur um die Summe von 3800 Mark ging, entbrannte eine große Diskussion. Da gab es Stimmen, die gegen die
Deckung mit Schindeln waren und den "Kleheschen Dachfalzziegeln" den Vorzug geben wollten. Eine andere Gruppe
sprach sich gegen einen Anstrich mit Carbolineum, weil dadurch die Pflanzen im Grobbachtal geschädigt werden könnten.
An Umweltschutz hat damals sicherlich keiner gedacht, denn der Antrag wegen der Ziegel kam vom Produzent der Ziegel,
dem Stadtverordneten Klehe, und der Volksvertreter, der die Hütte mit den Lackfarben gestrichen haben wollte, betrieb
ein größeres Geschäft in Baden-Baden, das, wen wundert es, auch Lackfarben anbot. Wie so oft in
Bürgerausschußverhandlungen wurden die 56 Verordneten vom Vorsitzenden geschickt gelenkt, und so wurde zum guten
Ende doch einheitlich abgestimmt. Dem Bau der Wirtschaft stand nichts mehr im Wege, so dass auch die Behörde ihre
Zustimmung gab.
Auch die Frage der Bewirtschaftung war schnell gelöst. Der bisherige Betreiber der alten Hütte, Auerhahnwirt Josef Herr,
bekam eine Entschädigung für den alten Bau und gleichzeitig machte man einen Pachtvertrag für die neue Wirtschaft. Zu
der Hütte gehörten aber noch alte Keller, die hölzerne Brücke und ein laufender Brunnen, der heute noch an seiner Stelle
steht. Herr war verpflichtet, die Wirtschaft täglich von morgens bis abends offen zu halten. Lediglich eine Winterruhe vom
1. November bis 30. März war eingeräumt worden. Vertragsbestandteil war auch die Speisekarte. Sie versetzt den
heutigen Gasthausbesucher in Erstaunen, denn der Wirt bot nicht nur eine ganze Reihe von Speisen an, sonder hatte auch
einen gepflegten Weinkeller, in dem selbst Champagner nicht fehlte.



Familie Kunz auf dem Bütthof
(Bericht in der BNN vom 14.8.1997)

In enger Beziehung zum Grobbach und dem Geroldsauer Wasserfalls steht das Waldgasthaus "Bütthof". Seinen Namen
hat es von der ehemaligen Bezeichnung des einige Meter weiter unten rauschenden Wasserfalls. Er war einst nur als die
"große Bütte" bekannt, weil die Aushöhlung, in die er sich ergoß, mit einer Butte oder Bütte verglichen wurde. Der Bütthof
wurde wohl ziemlich zu Beginn der 1820er Jahre erstmals als Ausflugsziel bekannt gemacht. Johann Ludwig Kübler
berichtete 1810 noch von einer "armseligen Hütte" an dieser Stelle.
Die "Kunzenhütte" - so bezeichnete man das Anwesen, das einst auf dem Boden des Bütthofs gestanden hat - wurde
schnell bekannt. Die Verfasser der verschiedenen Reisehandbücher und vor allem die Hersteller von Grafikblättern
sorgten dafür. Die romantischen Bilder von der Kunzenhütte im Badener Wald wurden nach ihrer Veröffentlichung in die
ganze Welt hinaus getragen. Kein anderes bäuerliches Wohnhaus im Nordschwarzwald hat so viele Künstler als Motiv
gereizt.
Die Kunzenhütte entstand wohl in den 1790er Jahren. in den Badener Ratsprotokollen wurde unter dem 26. September
1797 vermerkt, dass man dem Anton Kunz weiter gestatten wolle, bei der Bütte zu wohnen und den ausgesteckten
Boden zu nutzen. Nach seinem Tod aber soll der urbar gemachte Waldboden "wieder als Wald liegen blieben und die
Hütte eingehen". Es kam nicht dazu. Georg Kunz war der erste, der im April 1798 einen zwölfjährigen Pachtvertrag für
das Anwesen bekam. Die Stadt verlangte für die eineinhalb Hektar jährlich 16 Gulden "Bestandszins".
Die Familie Kunz baute auf eigene Rechnung das anderhalbstöckige Fachwerkhaus mit steinernem Sockel aus
Bachsteinen und dekorativen Weschkorndächern an der Wetterseite. Stallungen, Schupppen und sogar ein Backofen
gehörten bereits in den 1820er Jahren zum Anwesen.
1823 beschrieb es Alois Schreiber:" Hier wohnt eine genügsame Familie, abgeschieden von Menschen und im Winter of
Monate lang von aller Verbindung mit menschlichen Wesen getrennt. Hier wächst kein Korn mehr. Viehzucht und Bienen
sind der ganze Reichtum des Thalbwohners. Um seine hölzerne Hütte stehen 40 bis 50 Immen- oder Bienenkörbe; der
Honig hat eine Würze, wie er sie nie auf der Ebene und nicht in den Vorgebirgen erhalten kann. Dies und Milch ist aber
auch alles, was man  hier findet, und dieses Thal, wo Milch und Honig fließen, ist nichts weniger als paradisisch."
Mehrere Generationen der Familie Kunz lebten im romantischen Fachwerkhaus. Dass man den Spaziergängern und
Wanderern ein kleines Vesper anbot, wurde zur Tradition, auch wenn es noch keine richtige Restauration gab. Der einst
in Baden-Baden ansässige Schritsteller Wilhelm von Chezy berichtete für die 1840er Jahre: "Die Besucher des
Wasserfalls pflegen sich hier Kaffe zu bereiten, den sie selbst mitgebracht haben, denn er findet sich nicht in den Arkadien,
wo nur Milch und Honig fließt."
1899 starb das letzte Mitglied der Familie Kunz und die Stadt zog das Anwesen kurzfristig an sich. Nach alten
Überlieferungen plante man die Anlegung eines großen Stausees, der als Wasserreservoir die Versorgung der ständig
wachsenen Kurstadt sichern sollte.
Es blieb dann aber doch bei der Verpachtung. Im Jahr 1900 fand sich mit Hermann Kah ein Pächter, der auch wieder
eine lange Tradition einleitete. Der Wirt von der nahegelegenen Wasserfallrestauration baute das Anwesen auf eigenen
Kosten weiter aus, allerdings noch nicht zur Gaststätte, sondern zum Waldbauernhof. Mehrere hundert Hühner
bevölkerten den Bütthof mit den angeschlossenen Ländereien. Für die Touristen öffnete man nur die weiter unten gelegene
Gaststätte mit Blick auf den Wasserfall.
Erst 1952 wurde aus dem Bütthof eine richtige Wirtschaft. Nach der Überlieferung hatte Rudi Mayer, naturverbundener
Amtmann des Badener Bauamts, die zündende Idee. Erna Striebel, geborere Kah, wurde Wirtin und setzt nach dem
Vorbild der Eltern auf ihre Art die Bewirtung der Ausflugsgäste fort. Es gab keine lange Speisekarte, dafür aber eine
originelle und originale Küche. Die der Personenzahl angepaßte Salatschüssel, die Platte mit den Bratkartoffeln und das
panierte Schnitzel waren lange einer der wichtigsten Renner.
1976 endete nicht nur die Zeit der Erna Striebel auf dem Bütthof, sondern auch die landwirschaftliche Nutzung. Familie
Graf, die ein knappes Jahrzehnt das Gasthaus bewirtschaftet hatte, bekam als Pachtobjekt nur noch das Gebäude. In der
Zwischenzeit haben sich mehrere Betreiber ins Grobbachtal gezogen gefühlt.
Auch der heutige Bütthof kann mit der langen Tradition verbunden werden. Der Besuch der Gaststätte am Mittag eines
Wochentags, wenn es nicht gerade boomt, vermittelt ein bißchen von jener Atmophäre, die es vielleicht auch schon im
Zimmer der alten Kunzes bei Milch und Honig gegben hat.



Ein Kriminalfall auf dem Bütthof
(Bericht in der BNN vom 14.6.1989)

Als am 19. Mai 1889 die Rastauration am Wasserfall eingeweiht wurde, war natürlich alles überfüllt. So verbrachte man
auch nur einen Teil der Feier am Waserfall und beschloß den Abend mit einem Diner im "Ludwigsbad" in Lichtental. Wie
die Presse berichtete: "herrschte heitere Stimmung und es wurde sogar ein Tänzchen gewagt."
Auch die Stadtverwaltung war zuerst zufrieden. Der Kostenvoranschlag wurde um 475 unterschritten, bei einer
Bausumme vom 3800 Mark sicher eine schöne Leistung. Schon damals aber gab es Haushaltspläne, die erüllt werden
mußten, und so entschloß sich das Bauamt, für den Rest des Geldes Bänke anzuschaffen.
Schon drei Wochen nach der Eröffnun kam ein Bittbrief des Pächters. Seine Wirtschaft war viel zu klein. Bei guten
Wetter konnte er die vielen Gäste nicht bewirten. Er stellte zwar auch draußen Stühle auf, aber es reichte nicht. Wie er
schrieb, mußten viele Wanderer den Heimweg hungrig und durstig wieder antreten, weil kein Platz vorhanden war.
Die Verwaltung wollte zunächst die nächste Saison abwarten und glaubte nur an einen anfänglichen Ansturm. Im Jahre
1891 starb Josef Herr, seine Witwe übernahm den Pachtvertrag und schickte ihre älteste Tochter an den Wasserfall. In
den Akten der Restauration häuften sich von da an Beschwerdebriefe. Das Lokal wurde nicht sehr gut geführt. Viele
Gäste blieben aus und der Wunsch nach einer Erweiterung erübrigte sich.
Die Witwe Herr hatte ein zweites Mal geheiratet, nachdem sie zuvor ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hatte.  Auch
mit den Töchtern gab es ähnliche Schwierigkeiten. Trotzdem wurde der Pachtvertrag immer wieder verlängert. Erst als im
Juni 1899 der Wirt seine Ehefrau so schlug, dass sie kurz darauf an den Verletzungen starb, suchte die Stadtverwaltung
einen neuen Pächter.
Die Wirtschaft wurde ausgeschrieben und es meldeten sich neun Personen. Den höchsten Pachtzins bot ein Koch aus
Köln, der jährlich 550 Mark für die Wirtschaft bezahlen wollte. Für hundert Mark weniger bekam Herrmann Kah den
Zuschlag. Die Stadtverwaltung traute ihm mehr zu, denn er kam aus einer örltlichen Hoteliersfamilie.
Herrmann Kah übernahm im Juli 1899 die Wirtschaft. Auch zu seinem Pachtvertrag gehörte eine Speisekarte, und sie war
noch üppiger ausgefallen als zuvor. Da gab es Forellen, Beafsteak, Kalbssteak, Wiener Schnitzel, Rinds- und
Kalbsgulasch, sämtliche denkbaren Beilagen, vier verschiedene Desserts und eine Käseauswahl. Wie er die
Vorratshaltung draußen im Wald geregelt hatte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.
Schon nach wenigen Wochen bat auch Herrman Kah um eine Erweiterung der Wirtschaft. Er träumte von einer
gedeckten Terrasse direkt über dem Grobbach mit großen Fenstern, die einen direkten Blick auf den Wasserfall zulassen
würden. Im gleichen Brief schilderte Kah auch die Mängel seiner Wirtschaft. So beklagten sich die Gäste über den kalten
Betonboden und die finstere Wirtsstube.
Wie schon 1889 zögerte man auch 1900 mit der Erfüllung des Wunsches und wollte zuerst einmal abwarten. Der
auslösende Faktor war dann der Besuch der deutschen Kaiserin im Sommer 1901. Sie besuchte die Restauration des
Herrman Kah und auch die Toilette. Kah schrieb die Eindrücke "Ihrer Majestät" sofort an den Stadtrat. Die Kaiserin war
etwas pikiert, dass es nur ein Gemeinschaftstoilette für Männlein und Weiblein gab und die Damen das primitive Urinal zu
Gesicht bekommen müßten.
Über die folgenden Jahre schweigen sich die Akten fast aus. Herrman Kah betrieb die Gaststätte zusammen mit dem
Bütthof, außerdem hatte er noch eine Hühnerzucht aufgebaut und verkaufte Eier in die Stadt.  Er verstarb 1914 und
hinterließ eine Frau und zwei schulfpflichtige Kinder in Armut. Mit der Erbauung der Merkur- und Straßenbahn war das
Geschäft stark zurück gegangen. Die Einnahmen deckten kaum die Pacht und immer wieder mußte die Stadt das
Pachtgeld zum Teil erlassen.
Mit Sicherheit bestand die Wirtschaft noch im Jahr 1920, dann aber scheint sie eingegangen zu sein.

 
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